VDR mit Budget-DVB-T-Karte unter Debian-Linux


Vor dem Austausch des Motherboards GIGABIYTE GA-6WMMC7 durch ein ASUS P4B-MX aus einer HP Vectra VL420 und vor dem Wechsel von Debian Sid (Unstable) auf Debian Etch (Stable).
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Diese Seite beschreibt den Aufbau meiner Linux-Multimedia-Box. Das Gerät dient in erster Linie als DVB-T-Empfänger und Multimedia-Zentrale zum Abspielen von Audio- und Video-Dateien. Es hat mittlerweile die gute alte Glotze, den VHS-Videorekorder und (zum Teil) die Stereoanlage ersetzt, ist aber kein hochauflösendes, überdimensionales, Mehrkanal-tönendes Ungetüm.

Inhalt

Hardware-Auswahl
   Gehäuse, Display und Fernbedienung
   DVB-T-Karte
   Motherboard, CPU und RAM
   Festplatte und DVD-Laufwerk
   Sonstige Hardware
Software-Auswahl
   Linux-Distribution
   TV-/Multimedia-Software
   Sonstige Software
Hard- und Software-Überblick
Installation
   Debian-Linux
   DVB-Empfang testen
   VDR einrichten
   VDR-Plugins
   Infrarot-Fernsteuerung und VFD-Display
System Couch-Potato-tauglich machen
   X-Server für den VDR automatisch starten
   Schneller Booten
   Rechner per Fernbedienung hochfahren
   Rechner automatisch hochfahren lassen
Nützliches und Sonstiges
Bekannte Probleme
Anhang
   Konfigurationsdateien
   Kurzanleitung zur Bedienung des VDRs
   Links

Hardware-Auswahl

Da ich keine Streaming-Lösung oder Ähnliches verwenden wollte, mußte die Hardware Wohnzimmer-tauglich sein, also schick, leise und per Fernbedienung steuerbar.
Für die Video-Ausgabe verwende ich einen PC-LCD-Monitor (vorerst ohne DVI, nur analoges VGA), meine Kiste hat also nur eine Budget-DVB-T-Karte und keinen TV-Ausgang. Ansonsten das Übliche: Ethernet, USB, Maus, Tastatur, analoger Audio-Ausgang, CD/DVD-Laufwerk. Außerdem wollte ich mir die Möglichkeit offen halten, später auch mal weitere PCI-Karten oder Festplatten im Gehäuse unterzubringen.

Gehäuse, Display und Fernbedienung

Als HTPC-Gehäuse verwende ich das Dign HTPC HV5 von Uneed. Uneed heißt mittlerweile Origen AE, das Gehäuse H5 statt HV5, an den Eigenschaften scheint sich aber nichts geändert zu haben.

Gehäuse Dieses voluminöse Aluminium-Case im Standard-ATX-Format bietet Platz für maximal sieben PCI-Karten, zwei 3,5''-Festplatten und ein 5 1/4''-Laufwerk. In der Front sitzt bei mir ein (optional erhältliches) Modul mit VFD-Display und IR-Empfänger, dazu gehört eine Infrarot-Fernbedienung. Das Modul wird normalerweise an die internen USB-Steckerleiste des Motherboards angeschlossen. Da mein Motherboard allerdings keinen internen USB-Anschluss besitzt, mußte ich eine Steckerleiste an die Pins des externen USB-Anschlusses am Motherboard löten. Dies war zwar etwas fummelig, funktioniert aber einwandfrei.

Fernbedienung Unter dem (transparenten) Start-Knopf der Fernbedienung klebt normalerweise ein kleines Windows-Logo. Als VDR-Nutzer konnte ich dies natürlich nicht so lassen und habe den Kleber gegen ein Linux-Logo ausgetauscht.

Auf der Rückseite des Gehäuses, bei meinem Motherboard praktischerweise direkt hinter der CPU, befinden sich zwei 6 x 6 cm-Gehäuselüfter (einer war bereits im Lieferumfang des Gehäuses enthalten, einen zweiten habe ich nachgerüstet). Leider hat das Case keinerlei Lüftungsschlitze, was die Durchlüftung nicht ganz einfach macht. Ich habe das Problem so gelöst, dass ich die Abdeckbleche der vier freien PCI-Slots hinten links entfernt und die Schlitze mit einem Lüftergitter abgedeckt habe. Die Luft strömt so durch diese Öffnungen ins Gehäuse, muss um die PCI-Karten herum und verläßt das Gehäuse dann, vorbei an der CPU, wieder durch die Gehäuselüfter bzw. das Netzteil. Meine 900 MHz-CPU hat so eine Temperatur von ca. 50°C, was durchaus OK ist.
Als Netzteil kommt ein Fortron Source FSP270-50SNV mit 270W zum Einsatz.

Am Markt gibt es zwar eine ganze Reihe von Mini ITX-Gehäusen für Wohnzimmer-PCs. Allerdings haben diese einige Nachteile: Mini ITX-Mainboards besitzen standardmäßig (also ohne Riser Card usw.) nur einen PCI-Slot, der teilweise nur mit Karten halber Bauhöhe bestückt werden kann, die Gehäuse bieten in aller Regel nur Platz für maximal eine 3,5''-Festplatte (teilweise nur eine 2,5''-Platte). Ein weiteres Problem ist die Wärmeabfuhr aus dem engen Gehäuse. Und nicht zuletzt sind die ITX-Mainboards verhältnismäßig teuer.

DVB-T-Karte

Für den DVB-T-Empfang sorgt eine Avermedia AVerTV DVB-T-771, eine PCI-Karte mit halber Bauhöhe. Sie besitzt einen HF-Antennenanschluss sowie einen S-Video-Eingang. Außerdem wird ein S-Video auf Composite-Video-Adapter mitgeliefert.
Diese Budget-Karte wird ohne zusätzliche Patches von neueren Versionen des 2.6er-Kernels unterstützt. Ich habe mich bisher nur auf den DVB-T-Empfang konzentriert, ob der S-Video-Eingang (unter Linux) verwendbar ist weiß ich nicht.

Im Allgemeinen wird für die DVB-Wiedergabe unter Linux eine Full-Featured-Karte (mit Hardware-MPEG-Decoder und analogem TV-Ausgang) empfohlen. Allerdings gibt es für DVB-T nur ein einziges, nicht mehr hergestelltes Modell, welches zudem nicht alle DVB-T-Frequenzbereiche empfangen kann (TechnoTrend Premium DVB-T, siehe vdr-wiki.de). Da Budget-Karten i.A. auch um einiges billiger als Full-Featured-Karten sind, habe ich mich gegen eine Full-Featured-Karte entschieden. Hat man nun keine Full-Featured-DVB-Karte und auch keine Grafikkarte mit TV-Ausgang zur Verfügung, bleibt für die Video-Ausgabe nur mehr der Monitor-Ausgang übrig. Da ich allerdings ohnehin keinen TV, sondern einen "normalen" Computer-Monitor für die Video-Ausgabe verwende, spielt diese Einschränung keine Rolle.
Ohne Full-Featured-Karte oder sonstige Hardware-Unterstützung muss der Prozessor den MPEG-Datenstrom selbst decodieren. Empfohlen wird in diesem Fall ein Prozessor mit mindestens 1 GHz.

Motherboard, CPU und RAM

Als CPU habe ich einen Intel Celeron-Prozessor mit 900 MHz auf einem GIGABIYTE GA-6WMMC7-Motherboard mit 384 MB RAM im Einsatz. Das Motherboard ist recht betagt, hat aber Onboard-Grafik (VGA-Anschluß) und -Sound (analoges Stereo), 2 x USB (nur extern und leider nur USB 1.1) und drei PCI-Slots, erfüllt also erst mal meine Minimalanforderungen (bis auf das fehlende LAN-Interface).
Der Prozessor läßt sich mit einem einfachen Kühlkörper passiv kühlen, da sich die Gehäuselüfter direkt dahinter befinden.

Die Darstellung von DVB-T mit Xine und Xv-Output ist ruckelfrei und erzeugt eine CPU-Last von ca. 70%. Allerdings ruckelt das Bild etwas bei gleichzeitiger Anzeige des OSD (Bildschirm-Menü) und beim Kanalwechsel, dies läßt sich aber verschmerzen.

Getestet habe ich auch einen Intel Celeron-Prozessor mit 633 MHz. Bei der reinen Darstellung von DVB-T hat sich dieser nicht schlechter geschlagen als der 900er. Allerdings war das Ruckeln mit OSD und beim Kanalwechsel doch etwas stärker, außerdem reagierten die Menüs des VDR etwas langsamer.

Der auf dem Motherboard befindliche Intel i810-Chipsatz bringt mit XvMC (XVideo Motion Compensation) eine einfache Hardware-Unterstützung für die Decodierung von MPEG-Daten mit. Allerdings habe ich XvMC nicht dazu gebracht, für eine aktzeptable Bildqualität oder eine merkliche Entlastung der CPU zu sorgen (siehe unten).

Festplatte und DVD-Laufwerk

Als Festplatte verwende ich eine Samsung SP1604N (160GB). Das Ding ist stabil, ruhig, wird nicht zu heiß und preiswert, was will man mehr.
Da Uneed wegen der optimalen Positionierung des Auswurf-Knopfes explizit ein CD/DVD-Laufwerk von LG empfiehlt, steckt in meinem Gerät ein schwarzes LG D8163B. Der saubere Einbau des Laufwerkes ins Gehäuse erfordert zwar etwas Geduld. Ist das Laufwerk aber erst mal an seiner genauen Position paßt es perfekt.

Sonstige Hardware

Da das Motherboard keine Ethernet-Schnittstelle besitzt, steckt im Rechner noch eine einfache 100 Mbit-Netzwerkkarte.
Als DVB-T-Antenne verwende ich eine sehr einfache Selbstbau-Antenne, wie sie z.B. unter vdr-wiki.de beschrieben ist. Für den Empfang im Stadtgebiet München reicht diese allemal aus.
Zum Anschluß von Maus, Tastatur und anderen USB-Geräten steht unsichtbar nahe dem Gehäuse im Schrank verstaut noch ein kleiner USB-Hub. Maus und Tastatur benötigt man ohnehin nur sporadisch, über den Hub kann man die Teile ohne Verrenkungen bequem anstecken. Damit sich die USB-Tastatur auch ohne Probleme einsetzen läßt, muss man sie übrigens im BIOS explizit aktivieren (USB Keyboard Support oder ähnlich). Bei mir hat der Bootloader GRUB ansonsten die Zusammenarbeit verweigert.

Software-Auswahl

Die Entscheidung für die am Ende gewählte Software-Konstellation war nicht ganz einfach. Nach ersten Experimenten mit Knoppix, dem ct-VDR und Kanotix hatte ich mir noch zwei weitere Multimedia-Projekte, Freevo und MythTV (und auch KnoppMyth), angesehen. Obwohl beide sehr schöne Oberflächen und eine Menge Funktionen haben, erschien mir die Konfiguration, insbesondere von DVB, bei beiden, na ja, etwas umständlich. Außerdem bedingen die poppigen Menüs höhere Anforderungen an die CPU. Allerdings muss ich dazusagen, dass meine Versuche mit Freevo und MythTV mittlerweile schon einige Zeit zurückliegen, hier könnte sich durchaus wieder einiges getan haben.

Linux-Distribution

Als Betriebssystem wollte ich eine "richtige" Linux-Distribution. Dafür gibt's in aller Regel Updates, (fast) alle Quelltexte, eine große Nutzergemeinde und daher viele aktuelle Infos im Internet. Da Debian-Linux ein ausgereiften Paket-Management sowie funktionale, textbasierte Administrations-Tools mitbringt und damit sehr flexibel konfigurierbar ist, war die Wahl recht schnell getroffen. Hier mag auch dazu beigetragen haben, dass ich Debian schon einige Zeit kenne und einfach gut damit zurechtkomme.

TV-/Multimedia-Software

Als TV- und Multimedia-Software verwende ich den Video Disc Recorder (VDR) zusammen mit verschiedenen Plugins. Der VDR ließ sich recht schnell zur Mitarbeit bewegen und macht ohne unnötiges Drumherum das was er soll. Die einfache, aber funktionale Oberfläche reagiert auch bei einer langsamen CPU noch genügend schnell.

Die Grafik-Ausgabe erfolgt lokal unter X11 mit dem Xineliboutput-Plugin für den VDR über den Multimedia-Player Xine, genauer gesagt über dessen Multimedia-Bibliothek Xine-Lib (libxine1).
Obwohl Xine prinzipiell auch im Framebuffer-Mode läuft, weigert er sich, auf meiner Hardware über Framebuffer irgendwas auszugeben. Unter X11 läuft er einwandfrei.

Gleich vorneweg: Mit dem Plugin vdr-plugin-xineliboutput habe ich noch ein paar Probleme (siehe Bekannte Probleme), daher verwende ich für den alltäglichen Betrieb noch die ältere Installation mit vdr-plugin-xine.

Sonstige Software

Für die Infrarot-Fernsteuerung und die Ansteuerung des VFD-Displays stellt Uneed (bzw. der Hersteller des Displays, IRTrans) eine eigene Software bereit (IRTrans Client/Server). Meine Versuche, das Modul auch mit LIRC und LCDProc zu laufen zu bringen, waren bisher nicht erfolgreich (siehe unten).

Hard- und Software-Überblick

Hier nochmal die Liste der wichtigsten Hard- und Software:

Installation

Das Zusammenschrauben der Hardware war nicht aufregend und möchte ich an dieser Stelle auch nicht beschreiben. Deshalb geht's gleich weiter mit der Software.

Debian-Linux

Debian-Linux kann auf verschiedenste Weise installiert werden. Ich bevorzuge: Die Partitionierung meiner 160 GB-Platte schaut folgendermaßen aus:
/dev/hda1    1 GB   -               swap   Virtueller Speicher
/dev/hda2   10 GB   /               ext3   Installation 1
/dev/hda3   10 GB   /               ext3   Installation 2 (Test)
/dev/hda4    Rest   /var/lib/data   ext3   Daten
Damit habe ich die Möglichkeit, auf /dev/hda2 und /dev/hda3 zwei getrennte Systeme zu installieren, was für Tests und zur Wiederherstellung einer zerschossenen Installation recht praktisch ist.
Alle Video- und Audio-Daten liegen auf /dev/hda4. Um ein paar GB Platz zu sparen macht es für diese Partition Sinn, sie mit der Option -m 1 zu formatieren (siehe man mkfs.ext3).

Folgende Kommandos verhindern, dass beim Systemstart ein fsck ausgeführt wird:

vdr:# tune2fs -c 0 /dev/hda2
vdr:# tune2fs -c 0 /dev/hda3
vdr:# tune2fs -c 0 /dev/hda4
vdr:# tune2fs -i 0 /dev/hda2
vdr:# tune2fs -i 0 /dev/hda3
vdr:# tune2fs -i 0 /dev/hda4
Natürlich sollte man dann fsck /dev/hdaX -- -f gelegentlich manuell starten.

Um ein minimales Debian-System zu erhalten, wird einfach im Dialog Debian Software Auswahl (aus der Liste Desktop-Umgebung, Web-Server usw.) nichts ausgewählt. Der Basiskonfigurations-Dialog kann übrigens jederzeit mit base-config wieder aufgerufen werden.

Die Auswahl der Paket-Quellen ist alles andere als einfach. Nach einigen Versuchen mit verschiedenen Debian-Releases (hier meine erste Installation mit Debian Sarge), Paketen von zap.tartarus.org und Einträgen in /etc/apt/apt.conf (siehe man apt.conf) habe ich mich für folgende Quellen-Kombination entschieden:

Entsprechend ist die Datei /etc/apt/sources.list anzulegen. Die Einträge in /etc/apt/preferences stellen sicher, dass die Pakete von e-tobi.net auch dann verwendet werden, wenn es in Debian Sid eine neuere Version des selben Paketes gibt (siehe man apt_preferences).

Die Kommandos

vdr:# apt-get update
vdr:# apt-get dist-upgrade
bringen Paket-Index und System auf den neuesten Software-Stand von Sid. Danach werden X11 mit Xdm/Twm (einfacher X Display bzw. Window Manager), Alsa, VDR mit Xineliboutput-Plugin und dazugehörigen Paketen sowie einige praktische Tools installiert, gefolgt vom 2.6er-Kernel von Debian Sid:
vdr:# apt-get install x-window-system-core x-window-system xserver-xorg xdm twm
vdr:# apt-get install alsa-utils
vdr:# apt-get install vdr vdr-plugin-xineliboutput libxine-xvdr libxine1 libxineliboutput-sxfe
vdr:# apt-get install linux-image-2.6-686
vdr:# apt-get install xine-ui
vdr:# apt-get install dvb-utils dvbstream
vdr:# apt-get install vim unzip hdparm hddtemp rsync
xine-ui, das Standard-Frontend (User-Interface) von Xine, sowie die Pakete dvb-utils und dvbstream werden zwar nicht direkt für den VDR benötigt, eignen sich aber sehr gut zur Fehlersuche und für Tests von DVB. Die Pakete der letzten Zeile sind manchmal recht nützlich, haben aber nichts mit dem VDR zu tun.

Nach Installation dieser Pakete können ggf. nicht mehr benötigte Pakete gelöscht werden. Vor dem Entfernen des 2.4er-Kernels muss das System mit dem 2.6er-Kernel gebootet werden.

vdr:# dpkg --purge hotplug
vdr:# apt-get remove --purge kernel-image-2.4.27-2-386
vdr:# apt-get remove --purge nvi
Die DVB-T-Karte wird zwar ab Kernel 2.6.10 automatisch erkannt. Allerdings muss das DVB-Modul noch manuell nachgeladen werden:
vdr:# modprobe dvb-bt8xx
vdr:# echo dvb-bt8xx >> /etc/modules

Video: X11

In der Konfiguration des X-Servers (/etc/X11/xorg.conf) sollten die Zeilen
Section "ServerFlags"
	Option	"AllowMouseOpenFail"
EndSection
nicht fehlen, ansonsten startet er nicht ohne Maus und Tastatur.

Audio: Alsa

Die Audio-Ausgabe erledigt ALSA (Advanced Linux Sound Architecture):
vdr:# alsaconf
vdr:# alsamixer
vdr:# alsactl store
alsaconf richtet ALSA auf dem System ein. Auf meinem System wurde die Soundkarte automatisch erkannt. Die Dialoge sind weitgehend selbsterklärend, im Zweifel einfach die Standardeinstellungen beibehalten.

Der alsamixer hilft bei der Einstellung der gewünschten Lautstärke(n). alsactl store speichert die eingestellten Werte in die Datei /var/lib/alsa/asound.state. Der Inhalt der Datei ist ebenfalls recht selbsterklärend. Die Master-Lautstärke wird z.B. im Bereich

        control.2 {
                comment.access 'read write'
                comment.type INTEGER
                comment.count 2
                comment.range '0 - 63'
                iface MIXER
                name 'Master Playback Volume'
                value.0 63
                value.1 63
        }
festgelegt. Nach einem Neustart des Systems werden diese Einstellungen nun automatisch gesetzt.

DVB-Empfang testen

Da VDR eine recht komplexe Software ist, sollte man sich vor dessen Konfiguration vergewissern, dass der DVB-T-Empfang auch wirklich funktioniert. Dies geht am einfachsten mit tzap und dvbstream:

Die Kommandos

vdr:# mkdir -p ~/.tzap/
vdr:# scan /usr/share/doc/dvb-utils/examples/scan/dvb-t/de-Muenchen > ~/.tzap/channels.conf
generieren, DVB-Empfang vorausgesetzt, die channels.conf für tzap. Vor dem Aufruf muss VDR ggf. mit /etc/init.d/vdr stop beendet werden.
Sollte unter /usr/share/doc/dvb-utils/examples/scan/ keine passende Frequenztabelle auffindbar sein, findet man sie wahrscheinlich im CVS: http://www.linuxtv.org/cgi-bin/viewcvs.cgi/dvb-apps/util/scan/.

In der Datei ~/.tzap/channels.conf sollten nun alle gefundenen Sender eingetragen sein. Der Eintrag für den Sender VOX schaut in München z.B. so aus:

VOX:578000000:INVERSION_AUTO:BANDWIDTH_8_MHZ:FEC_2_3:FEC_1_2:QAM_16:TRANSMISSION_MODE_8K:GUARD_INTERVAL_1_4:HIERARCHY_NONE:545:546:16418
Mit
vdr:# tzap VOX
wird die DVB-Karte auf den Sender VOX eingestellt. Die Video- und Audio-Daten lassen sich nun mit einem der beiden (z.B. in einer zweiten Shell) parallel zu startenden Kommandos
vdr:# dvbstream -o -ps -qam 16 -cr 1_2 545 546 | xine stdin:/
vdr:# dvbstream -o -ps -qam 16 -cr 1_2 545 546 > VOX.mpeg
mit Xine darstellen bzw. in eine MPEG-Datei ausgeben. Die Kommando-Parameter entnimmt man der entsprechende Zeile aus der ~/.tzap/channels.conf. Achtung: Die channels.conf von tzap hat ein anderes Format als die vom VDR.

Ist bis hier alles OK geht's an die Konfiguration von VDR.

VDR einrichten

Die Konfigurationsdateien von VDR liegen unter /var/lib/vdr/ und /etc/vdr/, VDR-Logmeldungen stehen standardmäßig in /var/log/messages. In der Datei /etc/default/vdr können einige Start-Parameter für den VDR angepaßt werden. Ansonsten wird VDR bequem über das OSD konfiguriert. Dort kann man u.a. auch festlegen, dass VDR die Systemzeit über das DVB-Zeitsignal setzt.

Der VDR benötigt für den Empfang prinzipiell nur die richtige channels.conf unter /var/lib/vdr/. Diese kann man einfach von vdr-wiki.de herunterladen (DVB-T) oder z.B. von Kanotix übernehmen. Da er in meinem Fall aber auch Bild- und Ton selbst lokal ausgeben muss sowie sonstige Multimedia-Dienste zu leisten hat sind noch einige Anpassungen nötig:

Zum Ersten muss der User vdr auf die Audio- und Video-Devices sowie auf das CD/DVD-Laufwerk zugreifen können. Dazu wird er in die entsprechenden Gruppen (siehe /etc/group) aufgenommen:

vdr:# usermod -G audio,video,cdrom vdr
Zum Zweiten muss dem Xineliboutput-Plugin (genauere Beschreibung siehe weiter unten) noch "mitgeteilt" werden, wo es das VDR-Bild ausgeben soll, und zwar lokal unter X11. Dazu dienen folgende Einträge in der Datei /etc/vdr/plugins/plugin.xineliboutput.conf:
--local=sxfe
--display=:0.0
Der lokal laufende X-Server (Display 0) muss dann noch vom angemeldeten User für X-Verbindungen vom lokalen Rechner aus freigeschalten werden,
vdr:$ xhost + local:
erst dann kann der VDR von root gestartet werden:
vdr:# /etc/init.d/vdr start
Falls alles glatt gelaufen ist erscheint nun ein Fenster mit dem VDR-Bild. Beim ersten Start springt der VDR automatisch ins Menü zum Lernen der Tasten-Codes für die Tastatur-Steuerung. Die Codes werden in die Datei /var/lib/vdr/remote.conf geschrieben (Zeilen beginnend mit XKeySym) und können dort bei Bedarf manuell nachbearbeitet werden.

VDR-Plugins

Der Schwerpunkt von VDR liegt zwar auf DVB. Über verschiedenste Plugins läßt er sich aber um sehr viele Funktionen erweitern. Eine Liste der (als Debian-Binärpaket) verfügbaren Plugins zeigt das Kommando apt-cache search vdr-plugin an. Installiert werden die Plugins wie gewohnt mit apt-get install Plugin-Name. Konfiguriert werden sie über das OSD von VDR - diese Einstellungen werden dann in /var/lib/vdr/setup.conf abgelegt - oder in den Dateien unter /etc/vdr/plugins/.

Folgende Plugins habe ich aktuell in Verwendung:

vdr-plugin-xineliboutput

Dieses Plugin wird wie bereits erwähnt für die Video-Ausgabe des VDRs benötigt. Bevor ich zu diesem Plugin kam, hatte ich für die Ausgabe das vdr-plugin-xine verwendet (hier die alte Beschreibung dazu). vdr-plugin-xineliboutput ist allerdings mächtiger, einfacher zu handhaben und braucht weniger CPU-Leistung. Es bringt nicht nur verschiedene Ausgabemöglichkeiten mit, sondern auch einen integrierten Multimedia-Player für Filme, DVDs, Musik und Bilder. Allerdings ist der Player noch nicht so ganz ausgereift, daher habe ich für Bilder und Musik noch die entsprechenden separaten Plugins installiert.

Zu Xineliboutput-Plugin gehören insgesamt sechs Debian-Binärpakete:

Über die Konfigurationsdatei des Plugins, /etc/vdr/plugins/plugin.xineliboutput.conf, wird neben einigen anderen Optionen festgelegt, welche Ausgabemöglichkeiten genutzt werden. Die Kommandos für die Tastatursteuerung werden in /var/lib/vdr/remote.conf abgelegt. Die Client-Frontends haben ihrerseits eine eigene Konfigurationsdatei, ~/.xine/config_xineliboutput.

vdr-plugin-mp3

Läßt den VDR MP3, OGG und Audio-CDs abspielen. Es unterstützt Playlisten, ist stabil und gut zu bedienen.

Für die Wiedergabe Audio-CDs wird das Dateisystem bzw. Kernel-Modul cdfs benötigt, welches leider nicht Bestandteil des offiziellen Kernels ist und daher selbst kompiliert werden muss.

Für das Kompilieren von Kernel-Modulen werden auf dem Rechner ggf. ein paar zusätzliche Pakete sowie die Quellen des aktuell installierten Kernels (hier 2.6.17) benötigt:

vdr:# apt-get install linux-source-2.6.17 kernel-package libncurses5-dev
vdr:# cd /usr/src/
vdr:# tar -xvjf linux-source-2.6.17.tar.bz2
vdr:# cd /usr/src/linux-source-2.6.17/
vdr:# cp /boot/config-2.6.17-2-686 .config
Da keine speziellen Einstellungen für den Kompiliervorgang benötigt werden, kann die Standard-Konfigurationsdatei des installierten Kernels (/boot/config-2.6.17-2-686) einfach übernommen werden. Mit dem Kommando make menuconfig kann man diese bei Bedarf bearbeiten.

Das Modul wird dann übersetzt und installiert mit:

vdr:# apt-get install cdfs-src
vdr:# cd /usr/src/
vdr:# tar -xvjf cdfs.tar.bz2
vdr:# cd /usr/src/linux-source-2.6.17/
vdr:# dpkg --list | grep linux-image-2.6.17
ii  linux-image-2.6.17-2-686 2.6.17-9            Linux kernel 2.6.17 image on PPro/Celeron/PII/PIII/
vdr:# make-kpkg --append-to-version=-2-686 --initrd --revision=2.6.17-9 kernel_image
vdr:# make-kpkg --append-to-version=-2-686 --revision=2.6.17-9 modules_image
Der ganze Kernel muss eigentlich nur kompiliert werden (Befehl make-kpkg ... kernel_image), um dem Kernel-Modul die zum Kernel passenden Versionsinformationen mitzugeben (Datei Module.symvers). Das Modul funktioniert auch ohne diesen Schritt, beim Kompilieren und Laden des Moduls erscheinen aber Warnungen über die fehlende Versionsnummer.
Die Option --append-to-version=-2-686 sorgt dafür, dass die Module später im richtigen Verzeichnis unter /lib/modules/ landen.

Das Debian-Binärpaket cdfs kann dann installiert werden mit:

vdr:# dpkg --install /usr/src/cdfs-2.6.17-2-686_2.4.20.a+2.6.12-2+2.6.17-9_i386.deb
Mit cdfs können nun Audio-CDs direkt ins Dateisystem gemountet werden:
vdr:# mount -o ro -t cdfs /dev/cdrom /mnt/
Unter /mnt/ liegen nun die Audio-Tracks auf der CD als WAV-Dateien. Das MP3-Plugin kann diese Funktion nutzen, sobald folgende Schritte gemacht sind:
vdr:# cd /media/
vdr:# mkdir cdfs0
vdr:# ln -s cdfs0 cdfs
Einträge in /etc/fstab:
/dev/hdb        /media/cdfs0        cdfs    ro,user,noauto  0       0
und /etc/vdr/plugins/mp3sources.conf:
/media/cdfs0;CD-Audio;1;*.wav
/media/cdrom0;CDROM;1

vdr-plugin-image

Ein Plugin zum Betrachten von Bildern mit Diashow, 3x3-Anzeige usw.. Das Plugin fordert auf meiner recht langsamen Hardware etwas Geduld beim Starten und beim Bildwechsel.

vdr-plugin-osdteletext

Ein Plugin zur Anzeige von Teletext im OSD mit dem Fernsehbild im Hintergrund. Es arbeitet zuverlässig und ist wie vom TV gewohnt zu bedienen.

Infrarot-Fernsteuerung und VFD-Display

Die auf CD mitgelieferten Programme IRTrans Client/Server funktionieren (Ausgabe von Text, setzen der Willkommens-Anzeige, versetzen des Displays in den Standby-Betrieb, Kommandos ans Display senden usw.), machen auf mich aber keinen besonders ausgereiften Eindruck.

Die Installation von der mitgelieferten CD erfolgt mit

vdr:# mount /dev/cdrom
vdr:# cd /media/cdrom/IR\ Trans
vdr:# sh install.sh 
unter /usr/local/irtrans/. Einige der dort installierten Dateien habe ich durch neuere Versionen von irtrans.de ersetzt. Im Verzeichnis remotes/ befinden sich die Definitionen der Tasten-Codes von verschiedenen Fernsteuerungen. Mit
vdr:# cd /usr/local/irtrans
vdr:# ./irserver -debug_code -loglevel 4 /dev/ttyUSB0
werden die von der IR-Fernsteuerung gesendeten Codes angezeigt, z.B.
7500c38011000000[0.0] ok mediacenter
[0.0]: S11101010000000000011110000010001001000 48
Die zweite Zeile entspricht einer nicht unter remotes/ aufgelisteten Taste. Die angezeigten Daten können zur Ergänzung von fehlenden Tastatur-Codes unter remotes/ verwendet werden. Da remotes/mediacenter.rem am besten auf die bei mir mitgelieferte Fernbedienung paßt, habe ich die fehlenden Einträge dort nachgetragen und die restlichen remotes/*.rem-Dateien gelöscht. Der Eintrag für den obigen unbekannten Code lautet z.B.
  [tvrec][T]0[D]S11101010000000000011110000010001001000
Alternativ können die Codes auch automatisch mit dem Kommando irclient in die Konfigurationsdatei eingetragen werden. Hier liegt meine Datei remotes/mediacenter.rem.

Der LIRC-kompatible Server wird mit

./irserver -daemon /dev/ttyUSB0
als Daemon gestartet. Mein Init-Skript /etc/init.d/irserver gibt's hier.

Das Kommando

update-rc.d irserver start 10 2 3 4 5 . stop 30 0 1 6 .
legt die Soft Links zum automatischen Starten des Skriptes beim Booten an.

VDR erkennt (bzw. glaubt) nun, dass LIRC gestartet ist und springt beim nächsten Start ins Menü zum Lernen der Tasten-Codes für die IR-Fernbedienung. Auch diese Codes werden unter /var/lib/vdr/remote.conf abgelegt (Zeilen beginnend mit LIRC).

Mit dem Kommando

vdr:# /usr/local/irtrans/irclient 127.0.0.1 Optionen
lassen sich weitere Funktionen des VFD-Modules steuern, insbesondere Text auf dem Display ausgeben oder die Willkommen-Meldung ändern. Die Dokumentation dazu finde ich ziemlich mager, hier hilft nur probieren.

Aktuell nutze ich das Display selbst noch nicht (es zeigt nur Datum und Uhrzeit an), da es mir ein Rätsel ist, wie ich den VDR dazu bringen soll, das Display über die IRTrans-Programme anzusteuern.

System Couch-Potato-tauglich machen

Nachdem nun alles soweit funktioniert, möchte man (und v.a. Frau) sich nicht jedesmal am System einloggen müssen und die Programme manuell starten. Das muss natürlich alles automatisch und möglichst schnell gehen.

X-Server für den VDR automatisch starten

Zu diesem Zweck gibt es das Init-Skript X4VDR, welches einen eigenen X-Server für den VDR ohne Display-Manager usw. startet. VDR kann darauf sein Bild im Vollbild-Modus ausgeben.

Der X-Server für den VDR startet nach /etc/init.d/X4VDR start auf VT8/Display 1 (erreichbar mit Strg-Alt-F8). Damit kollidiert er nicht mit einem ggf. ebenfalls laufenden X-Display Manager (hier Xdm), der standardmäßig auf VT7/Display 0 läuft.

Das Kommando

update-rc.d X4VDR start 19 2 . stop 21 0 1 6 .
legt die Soft Links zum automatischen Starten des Skriptes beim Booten an.

Damit VDR von nun an auf seinem eigenen X-Server im Vollbild-Modus startet, ist noch die Datei /etc/vdr/plugins/plugin.xineliboutput.conf anzupassen:

--local=sxfe
--fullscreen
--display=:1.0
Zusätzlich sind in der Datei /var/lib/vdr/setup.conf (oder im dazugehörigen OSD-Menü) mindestens folgende Einträge sinnvoll:
xineliboutput.Video.Deinterlace = linearblend
xineliboutput.Video.Scale = 1
Das Plugin stellt hier ziemlich viele Einstellmöglichkeiten bereit, ggf. machen noch weitere Anpassungen Sinn.

Nach einem /etc/init.d/vdr restart sollte der VDR nun auf VT8 erscheinen.

Schneller Booten

Damit normalerweise nicht benötigte Dienste beim Booten nicht automatisch gestartet werden, sollte man die entsprechenden Start-Links mit rm /etc/rc[S2].d/S[0-9][0-9]Init-Skript löschen (Debian verwendet standardmäßig den Runlevel 2 für den "normalen" Multiuser-Betrieb, siehe /etc/inittab). Bei meiner Minimalinstallation sind das nur:

Dienst Debian-Paketname Init-Skript unter /etc/init.d/
X Display Manager xdm xdm
lpd lpr lpd
Mailserver Exim exim4-base exim4

Die gelöschten Soft Links können bei Bedarf mit dpkg-reconfigure --unseen-only Paketname wieder angelegt werden (dpkg-reconfigure --unseen-only --all konfiguriert alle Pakete neu). Mit /etc/init.d/Init-Skript start kann der Dienst bei Bedarf nachträglich gestartet werden.

Ein paar weitere Sekunden lassen sich durch die Reduktion des Timeouts für das GRUB-Menü sparen (Datei /boot/grub/menu.lst):

timeout     2

Rechner per Fernbedienung hochfahren

Zum Hochfahren des Rechners per Fernbedienung muss das VFD-Modul (bei laufendem irserver) mit irclient programmiert werden:
vdr:# cd /usr/local/irtrans/
vdr:# ./irclient localhost


  1 - Send
  2 - Learn
  3 - Status

 99 - Exit

Select command 3

0 Device(s) Found:


99 - Exit

Select command 0
Device [0]:

Repeat Mask: o  o  o  o  o  o  o  x  x  o  o  o  o  o  o  o
             0  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 11 12 13 14 15

Device Mode Send             [20]: x
            IR               [21]: x
            SBUS             [22]: x
            IR RemoteCtrl    [23]: x
            SBUS RemoteCtrl  [24]: x
            RAW              [25]: o
            Fast Mode        [26]: o
            SBUS send Repeat [27]: x

PowerOn Remote               [40]: .04.30
PowerOn Command              [41]:

Cancel                     [88]
Save & Exit                [99]

Select command 40

Enter PowerOn Remote: mediacenter
Device [0]:

Repeat Mask: o  o  o  o  o  o  o  x  x  o  o  o  o  o  o  o
             0  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 11 12 13 14 15

Device Mode Send             [20]: x
            IR               [21]: x
            SBUS             [22]: x
            IR RemoteCtrl    [23]: x
            SBUS RemoteCtrl  [24]: x
            RAW              [25]: o
            Fast Mode        [26]: o
            SBUS send Repeat [27]: x

PowerOn Remote               [40]: mediacenter
PowerOn Command              [41]:

Cancel                     [88]
Save & Exit                [99]

Select command 41

Enter PowerOn Command: power
Device [0]:

Repeat Mask: o  o  o  o  o  o  o  x  x  o  o  o  o  o  o  o
             0  1  2  3  4  5  6  7  8  9  10 11 12 13 14 15

Device Mode Send             [20]: x
            IR               [21]: x
            SBUS             [22]: x
            IR RemoteCtrl    [23]: x
            SBUS RemoteCtrl  [24]: x
            RAW              [25]: o
            Fast Mode        [26]: o
            SBUS send Repeat [27]: x

PowerOn Remote               [40]: mediacenter
PowerOn Command              [41]: power

Cancel                     [88]
Save & Exit                [99]

Select command 99


  1 - Send
  2 - Learn
  3 - Status

 99 - Exit

Select command 99
mediacenter benennt die Datei remotes/mediacenter.rem mit den Fernbedienungs-Codes, power den Namen der Taste aus dieser Datei (siehe oben), über welche der Rechner eingeschalten werden soll.

Nach diesen Einstellungen kann der Rechner per Fernbedienung eingeschalten werden, mit einer Ausnahme: Wurde der Rechner komplett vom Stromnetz getrennt, muss er beim ersten Mal über den Power-Knopf am Gehäuse eingeschalten werden.

Rechner automatisch hochfahren lassen

Damit der VDR den Rechner (v.a. vor jedem Aufnahmestart) automatisch einschalten kann, muss das Motherboard "Automatic Power Up Control" oder "Resume by Alarm" unterstützen. Ein kleines Tool namens NVRAM WakeUp schreibt die Einschalt-Zeit ins NVRAM des Motherboards, welches dann den Rechner zu diesem Zeitpunkt einschaltet.

Mein Motherboard wird von nvram-wakeup gut unterstützt, die Installation gestaltet sich dann relativ einfach:

vdr:# apt-get install nvram-wakeup
vdr:# modprobe nvram
vdr:# echo nvram >> /etc/modules
Zum Übernehmen der neuen Zeit-Einstellungen benötigt das BIOS einen Reboot, daher sind in der Datei /boot/grub/menu.lst noch die Einträge
# Menueeintrag aus /boot/grub/default starten
default       saved

# Menueeintrag zum Herunterfahren
title         Ausschalten
savedefault   0
root          (hd0,0)
halt
zu machen, in /etc/vdr/vdr-nvram-wakeup.conf die Einträge
ENABLED="yes"
SPECIALSHUTDOWN="echo y | grub-reboot 3"
Irgendwie scheint mir die ganze Prozedur nicht 100%ig konsistent: Eigentlich sollte es den Eintrag savedefault 0 nicht brauchen, da grub-reboot den angegebenen Menüeintrag (3) ja nur einmal booten sollte, allerdings scheint halt die dafür nötige Änderung an /boot/grub/default zu verhindern. Außerdem ist GRUB sensibel bei der Reihenfolge der Befehle beim Eintrag Ausschalten. Aber egal: So funktioniert's!

Nützliches und Sonstiges

Im Folgenden sind weitere Änderungen am System beschrieben, die für den einen oder anderen Sinn machen können. Die Beschreibung ist teilweise unvollständig und nicht mehr aktuell, da ich selbst damit noch rumspiele oder die Änderung (erst mal) verworfen habe.

Display-Ansteuerung mit LCDProc

Leider hab ich LCDProc noch nicht zur Mitarbeit bewegen können.

Der Daemon LCDd von LCDProc nimmt Texte und Kommandos übers Netz entgegen und zeigt diese auf dem Display an. Konfigurationsdatei: /etc/LCDd.conf. Das Kommando lcdproc übergibt dem Server einige Systemparameter (CPU-Last usw.), die der LCDd dann auf dem Display ausgibt. Als Treiber sollte für das bei mir eingebaute VFD-Display Sasem verwendet werden, habe das Display allerdings mit LCDd noch nicht zum Laufen gebracht (aber auch nicht sehr viel ausprobiert). Ggf. kann man das Kommando lcdproc auch zusammen mit irserver verwenden (hab ich noch nicht getestet).

Fernbedienung mit LIRC

Für die Fernsteuerung des VDRs über LIRC wird das LIRC-Paket sowie ein auf den IR-Empfänger passendes Kernel-Modul benötigt. Nachdem ich anfangs zuversichtlich war, dass mein USB-VFD-Modul auch mit LIRC zu betreiben sein sollte bin ich zunehmend pessimistisch: Vom Dign HTPC HV5-Gehäuse gibt es wohl unterschiedliche Versionen mit verschiedenen VFD-Modulen. Mein Modul scheint wohl nur mit der IRTrans-Software zu funktionieren. Hier jedenfalls meine bisherigen Versuche:

Installation

LIRC wird installiert mit:
vdr:# apt-get install lirc
Die Kernel-Module für LIRC gibt es leider nicht als Binärpaket, sie müssen also ähnlich wie das cdfs-Modul oben manuell übersetzt werden:
vdr:# apt-get install linux-source-2.6.18 kernel-package libncurses5-dev
vdr:# cd /usr/src/
vdr:# tar -xvjf linux-source-2.6.18.tar.bz2
vdr:# cd /usr/src/linux-source-2.6.18/
vdr:# cp /boot/config-2.6.18-4-686 .config
vdr:# dpkg --list | grep linux-image-2.6.18
ii  linux-image-2.6.18-4-686 2.6.18.dfsg.1-11            Linux 2.6.18 image on PPro/Celeron/PII/PIII/P4
vdr:# make-kpkg --append-to-version=-4-686 --initrd --revision=2.6.18.dfsg.1-11 kernel_image
Für das Kompilieren der LIRC-Module ist es nötig, den Kernel zu kompilieren. Erst danach lassen sich die Module übersetzen:
vdr:# apt-get install lirc-modules-source
Im nun folgenden Dialog ist der passende Treiber für das IR-Modul auszuwählen. Für das Dign HTPC HV5-Gehäuse kommen, soweit ich bisher herausgefunden habe, die Module sasem oder imon in Frage.
Im nächsten Dialog kann man die Module automatisch kompilieren und installieren lassen. Der Pfad zu den Kernel-Quellen ist /usr/src/linux-source-2.6.18/.

Sollte die automatische Installation der Module nicht funktionieren hier der manuelle Weg:

vdr:# cd /usr/src/
vdr:# tar -xvzf lirc-modules.tar.gz
Der Quelltext zu den LIRC-Modulen landet dann unter /usr/src/modules/lirc/. Die restlichen Schritte sind dann:
vdr:# cd /usr/src/linux-source-2.6.18/
vdr:# dpkg --list | grep linux-image-2.6.18
ii  linux-image-2.6.18-4-686 2.6.18.dfsg.1-11            Linux 2.6.18 image on PPro/Celeron/PII/PIII/P4
vdr:# make-kpkg --append-to-version=-4-686 --revision=2.6.18.dfsg.1-11 modules_image
Das Debian-Binärpaket wird installiert mit:
vdr:# dpkg --install /usr/src/lirc-modules-2.6.18-4-686_0.8.0-9.2+2.6.18.dfsg.1-11_i386.deb

Konfiguration

Die Konfigurationsdateien von LIRC liegen unter /etc/lirc/. Die dortige Datei lircd.conf enthält die Daten der Fernsteuerung. Funktionieren sollte ggf. die Vorlage /usr/share/doc/lirc/remotes/sasem/lircd.conf.sasem.
vdr:# cd /etc/lirc/
vdr:# cp /usr/share/doc/lirc/remotes/sasem/lircd.conf.sasem lircd.conf
vdr:# modprobe lirc_sasem
vdr:# /etc/init.d/lirc start
Leider verweigert LIRC sowohl mit dem Modul lirc_sasem als auch mit lirc_imon jegliche Mitarbeit. /dev/lircd wird zwar angelegt, /dev/lirc (oder /dev/lirc/0?) existiert nicht. Auch ein mknod /dev/lirc c 61 0 hat nicht geholfen. Ich fürchte, dass es für mein VFD-Modul schlichtweg kein passendes LIRC-Modul gibt.

Systeminfo, CDROM/Festplatte herunterregeln usw.

Ggf. interessante Pakete: powertweak, hddtemp, hdparm, blktool. V.a. hdparm sollte mit Vorsicht eingesetzt werden (siehe Manpage).

Temperatur der Festplatte anzeigen:

vdr:# hddtemp /dev/hda
/dev/hda: SAMSUNG SP1604N: 29°C

CDROM herunterregeln:

vdr:# hdparm -E
Festplatte stoppen (Stromsparmodus):
vdr:# hdparm -y /dev/hda
Siehe auch -Y (Schlafmodus), -S (Standby Timeout), -M (Automatic Acoustic Management), Status abfragen mit -C.

Xine und XvMC

Einiges erhofft hatte ich mir von den Xine-Plugins xvmc oder xxmc, welche XvMC (XVideo Motion Compensation), eine einfache Hardware-Unterstützung für die Decodierung von MPEG-Daten, unterstützen sollen. Der Intel-Chipsatz i810 sollte XvMC bieten.

XvMC (XVideo Motion Compensation) wird in /etc/X11/xorg.conf aktiviert mit (siehe man 4 i810):

Section "Device"
	Driver      "i810"
	...
	Option  "XvMCSurfaces" "7"
	...
EndSection
Falls noch nicht geschehen werden die XvMC-Bibliotheken installiert mit:
vdr:# apt-get install libxvmc1
Die Video-Treiber xxmc und xvmc sind mittlerweile in libxine1 standardmäßig einkompiliert, die Bibliothek muss also nicht zwingend neu übersetzt werden. Einige nützliche Tips zu XvMC mit Xine stehen in der Datei /usr/share/doc/libxine1/README_xxmc.html.

Leider wurden meine Hoffnungen nicht erfüllt: Sowohl xine --video-driver xvmc als auch der Treiber xxmc brachten keine merklichen Leistungsverbesserungen sondern führten vielmehr zu verschiedenen Fehlern (kein Bild, Ruckeln usw.) oder einer nicht aktzeptablen Bildqualität (schlechtes Deinterlacing).

Eigenen Kernel kompilieren

Aus den Debian-Kernel-Quellen läßt sich mit Bordmitteln recht einfach ein Binärpaket erstellen:
vdr:# apt-get install linux-source-2.6.16 kernel-package libncurses5-dev
vdr:# cd /usr/src/
vdr:# tar -xvjf linux-source-2.6.16.tar.bz2
vdr:# cd /usr/src/linux-source-2.6.16/
vdr:# make menuconfig
vdr:# make-kpkg clean
vdr:# make-kpkg --initrd --revision=linuxvdr0.01 kernel_image
Unter /usr/src/ liegt der neue Kernel dann als Debian-Paket kernel-image-2.6.16_linuxvdr0.01_i386.deb, welches mit
vdr:# dpkg --install /usr/src/kernel-image-2.6.16_linuxvdr0.01_i386.deb
installiert werden kann.

Bootloader-Hintergrund-Bild (GRUB)

Um das GRUB-Bootmenü mit einer Grafik zu hinterlegen sind folgende Einträge in /boot/grub/menu.lst nötig:
    splashimage (hd0,1)/boot/grub/splashimages/linuxinside.xpm.gz
    foreground ffffff
    background 000000
Das Bild (hier linuxinside.xpm.gz) muss dann nach /boot/grub/splashimages/ kopiert werden. Fertige Bilder und eine genaue Beschreibung gibts unter http://linuxwiki.de/GRUB.

Bootsplash mit Splashy

Um den kompletten Boot-Vorgang hinter einer schicken Grafik zu "verbergen" gibt es das Paket splashy.
apt-get install splashy splashy-themes
In der Datei /boot/grub/menu.lst müssen dem Kernel dann noch folgende Boot-Optionen mitgegeben werden (in der Zeile beginnend mit kernel):
vga=0x318 quiet
Nach dem nächsten Reboot sollte dann ein hübscher Linux-Pinguin die uncoolen Boot-Meldungen überdecken. Mit der Escape-Taste verschwindet er bei Bedarf wieder. Splashy gibt seine Grafiken allerdings über Framebuffer aus, was auf meinem VDR-Rechner Probleme macht. Das Kompilieren eines neuen Kernels mit CONFIG_FB_I810=y und der Kernel-Boot-Option video=i810fb hat zwar Splashy zum Leben erweckt, allerdings haben dann X11 und Xine den Dienst versagt.

Durch Integration von Splashy ins Initramfs sollten auch noch die ersten paar Zeilen des Boot-Vorganges verschwinden.

Eine andere, aber aufwändigere Alternative für einen Bootsplash ist ein Kernel Patch.

Ausgabe im Framebuffer

Wie oben erwähnt wollte Xine mit meiner Hardware nicht im Framebuffer laufen. Da ich mir davon allerdings auch nicht allzuviele Vorteile erwarte (vielleicht etwas weniger CPU-Last ohne X11), hab ich das Thema erst mal aufgegeben.

Standard-Zeichensatz auf UTF-8 umstellen

Mit
vdr:# dpkg-reconfigure locales
läßt sich der Standard-Zeichensatz des Systems festlegen. Leider unterstützt der VDR noch kein UTF-8, arbeitet allerdings anstandslos mit Dateinamen (z.B. von MP3s) im UTF-8-Format, er zeigt nur die Sonderzeichen nicht korrekt an. Auch andere Programme haben an einigen Stellen noch Probleme mit UTF-8.

Synchronisieren großer Datenmengen

Audio- und Video-Dateien füllen schnell ganze Festplatten. Um Datenbestände mit teilweise gleichen Inhalten übers Netz oder USB halbwegs schnell abgleichen zu können, hilft rsync ungemein. Der Aufruf
rsync --archive --delete /srcpath/rsyncsrc/ /dstpath/rsyncdst/
synchronisiert den Inhalt des Verzeichnisses /srcpath/rsyncsrc/ (Slash am Ende nicht vergessen!) nach /dstpath/rsyncdst/. Wirkt Wunder bei meiner lahmen USB 1.1-Schnittstelle.

Bekannte Probleme

Das Plugin vdr-plugin-xineliboutput hat für die Wiedergabe von MP3s und Bildern noch nicht den Funktionsumfang der entsprechenden Einzel-Plugins erreicht. Leider klappt die Zusammenarbeit mit vdr-plugin-image und insbesondere mit vdr-plugin-mp3 noch nicht so richtig. Daher verwende ich für den alltäglichen Betrieb noch die ältere Installation mit vdr-plugin-xine.

Der Rechner ist noch nicht so leise, wie man es für einen Wohnzimmer-PC gerne hätte. Es scheint, als ob der Netzteil-Lüfter die lautesten Geräusche macht, muss ich mir bei Gelegenheit genauer ansehen.

Das VFD-Display ist noch nicht in Verwendung (es zeigt aktuell nur Datum und Uhrzeit an).

Anhang

Konfigurationsdateien

Im Archiv LinuxVDRconfig.tar.gz liegen die wichtigsten Konfigurationsdateien von meinem VDR-Rechner.

Kurzanleitung zur Bedienung des VDRs

Diese einseitige Anleitung listet die Belegung der Fernbedienungs-Tasten meines VDRs in den wichtigsten Betriebsmodi auf (ODG, PDF).

Links




Letzte Änderung: 23.03.2007